(Bildquelle: SJNRW)
Freitagnachmittag in Velbert - nach und nach reisen die Mädchen zwischen 7 und 16 Jahren an, manche noch ganz schüchtern, andere voller Elan und sichtbarer Vorfreude. Es ist mir jedes Jahr ein Vergnügen, die Kinder aus ganz NRW willkommen zu heißen! Seit 2010 leite ich das Girls Camp der Schachjugend NRW, inzwischen neben meiner Tätigkeit als IT-Beraterin bei der viadee.
Mädchenförderung im Schach - für mich ein Herzensthema
16 Jahre Girls Camp
Beim Girls Camp können Mädchen, die schon Schach spielen, eine Freundin oder Schwester mitbringen und beide spielen zusammen ein kleines Turnier gegen die anderen Teams. Natürlich können sich die Kinder auch alleine anmelden, in der Regel sind 2/3 der Mädchen Mitglied in einem Schachverein. Außerdem gibt es viel Freizeit- und Rahmenprogramm für die (bis zu) 32 Mädchen.
2010 war ich Jugendsprecherin der Schachjugend NRW und wurde aus dieser Rolle heraus gefragt, ob ich die Leitung des Girls Camp übernehmen kann. In meiner Erfahrung wird einem selten so jung so viel Verantwortung zugetraut wie im Ehrenamt - und nach anfänglicher Überforderung durfte ich immer mehr in diese Rolle hinein wachsen. Aus einer damals noch kleinen Veranstaltung ist heute ein etabliertes Format mit 32 Kindern und 5 Teamer:innen geworden, auf das wir alle uns jedes Jahr sehr freuen.
Aus dieser Rolle habe ich mitgenommen, wie Kommunikation und Absprachen im Team, aber auch mit den Kindern und Eltern, gut funktionieren. Kommunikation, Planung, Ressourcen- und Zeitmanagement, die Moderation im vollen Saal bei der Siegerehrung - an jeder dieser Aufgaben durfte ich verzweifeln wachsen und blicke sehr dankbar zurück auf die Erfahrungen der letzten Jahre.
“Warum gibt es kein Boys Camp?”
Manchmal fragen die Jungs, warum sie denn keine eigene Veranstaltung bekommen. Gewissermaßen gibt es aber schon sehr viele Jungs- bzw. Männerveranstaltungen im Schach. Insgesamt sind nämlich nur 8% der Mitglieder in deutschen Schachvereinen weiblich und auf vielen Veranstaltungen sucht man Frauen nach wie vor vergeblich. Dabei haben junge Kinder, unabhängig vom Geschlecht, Interesse am Schach. Schulschachgruppen in der Grundschule haben einen besonders hohen Mädchenanteil. Auch in den Vereinen ist das sichtbar: Bei den Kindern unter 12 Jahren sind 16% weiblich, über 12 und unter 16 Jahren noch 13%, darüber ist der Mädchen- und Frauenanteil nur noch 6%. Je älter die Kinder werden, desto häufiger hören sie also auf. Netzwerke und Vorbilder können helfen, Motivation und Selbstvertrauen bei den Mädchen zu stärken.
Gesellschaftliches Engagement
Die viadee hat mein Engagement - auch bei anderen Veranstaltungen - immer unterstützt. Ich wurde dazu ermutigt, Sonderurlaub zu beantragen und kann meinen Arbeitslaptop auch für die Online-Planungstreffen oder die Turniersoftware nutzen. Auch unsere flexiblen Arbeitszeiten sind in der Vorbereitungszeit oft sehr hilfreich. Als die Finanzplanung beim Girls Camp durch gestiegene Kosten knapp wurde, hat die viadee die Veranstaltung mit einer Spende unterstützt.
Die Themen Gleichstellung und Diversity sind außerdem nicht nur für mich persönlich relevant. Wir haben bei der viadee einen Arbeitskreis Diversity, bei dem sich mehrere Kleingruppen mit verschiedenen Aspekten des Themas auseinandersetzen. Zusammen mit mehreren Kolleginnen habe ich dieses Jahr ein Meet-Up der TechKalinen in unserer Geschäftsstelle organisiert - um Frauen auch in der IT weiter zu vernetzen und zu bestärken.