Wie aus einer Frage beim Kaffee ein Open-Source-Projekt wurde
Wer schon einmal versucht hat, ein Team ohne tiefe Kommandozeilen-Erfahrung für Robot Framework zu begeistern, kennt das Muster: Die Syntax ist verständlich, die Keyword-Idee leuchtet ein — aber dann kommt das Setup. Git klonen, virtuelle Umgebung anlegen, Abhängigkeiten installieren, Tests über das Terminal starten, Output-Dateien suchen und öffnen. Spätestens hier steigen die Kolleg:innen aus, die eigentlich die besten Testideen hätten.
Genau diese Beobachtung hat mich nicht losgelassen.
Der Anfang: eine ehrliche Frage
Ich beschäftige mich seit Jahren mit Testautomatisierung — nicht nur als technische Disziplin, sondern als Teamthema. Wer schreibt Tests? Wer pflegt sie? Und wer traut sich überhaupt, welche anzulegen? In vielen Projekten liegt die Antwort bei einer Handvoll Entwickler:innen. Fachtester:innen, QA-Engineers mit UI-Fokus oder Product Owner, die ihre Akzeptanzkriterien am liebsten gleich als Test formulieren würden, schauen oft nur zu.
Die Erfahrung, dass ein zentrales Web-UI diese Hürde massiv senken kann, habe ich bereits bei mateo gemacht — einem Testautomatisierungs-Framework, an dem ich vorher mitgearbeitet habe. mateo setzt genau auf dieses Prinzip: eine webbasierte Oberfläche als zentraler Anlaufpunkt, über die auch weniger technisch versierte Nutzer:innen Tests erstellen, verwalten und auswerten können, ohne sich mit Kommandozeilen und Konfigurationsdateien auseinandersetzen zu müssen.
Robot Framework bringt eigentlich alles mit, um einen ähnlichen Ansatz zu verfolgen. Die Keyword-Driven-Architektur ist dafür wie geschaffen. Aber das Tooling drum herum setzt eben doch voraus, dass man sich im Terminal wohlfühlt.
Also lag die Frage nahe: Was wäre, wenn es auch für Robot Framework ein solches Web-UI gäbe — von der Testverwaltung über die Ausführung bis zur Ergebnisanalyse, alles im Browser?
RoboScope: alles unter einem Dach
Das Ergebnis heißt RoboScope und versucht, genau diese Lücke zu schließen. Kein Ersatz für die Kommandozeile — eher eine Ergänzung für alle, die lieber klicken als tippen:
Test-Explorer im Browser: Dateien durchstöbern, Robot-Tests lesen und bearbeiten, fehlende Libraries erkennen und direkt nachinstallieren — ohne das Terminal zu öffnen.
Tests per Klick starten: Ausführen, Live-Fortschritt über WebSocket verfolgen, Ergebnisse sofort sehen. Für Teams, die schnelles Feedback wollen, ohne erst eine CI-Pipeline aufzusetzen.
Git-Integration: Repositories anbinden, Branches wechseln, synchronisieren. Alles über die Oberfläche.
Reports, die mehr erzählen: Automatisches Parsing der output.xml, Vergleich zwischen Läufen, Trend-Dashboards, Flaky-Test-Erkennung — und eine optionale KI-gestützte Fehleranalyse, die bei der Ursachenforschung hilft.
Tiefenanalyse: 15 KPIs in 5 Kategorien (Keyword-Nutzung, Testqualität, Wartbarkeit, Quellcode, Ausführung) — auf Knopfdruck, nicht als Pflichtprogramm.
Die gesamte Oberfläche ist in vier Sprachen verfügbar — Englisch, Deutsch, Französisch und Spanisch — inklusive der eingebauten Dokumentation.
Das Ganze läuft lokal mit SQLite oder per Docker Compose mit PostgreSQL. Kein Redis, kein Celery, kein kompliziertes Setup.
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Ehrlich gesagt: ein Vibe-Coding-Projekt
Und jetzt der Teil, den man vielleicht nicht in jedem Blogbeitrag liest: RoboScope ist zu großen Teilen durch KI-gestütztes „Vibe Coding" entstanden. Schnelle Iterationen, viel Ausprobieren, direkte Umsetzung von Ideen — mit allen Vor- und Nachteilen, die das mit sich bringt.
Das heißt konkret: Die Codebasis hat nicht den Reifegrad eines jahrelang gepflegten Enterprise-Tools. Es gibt technische Schulden, es gibt sicher noch Bugs, und manche Ecken verdienen eine Überarbeitung. Aber es heißt auch: In vergleichsweise kurzer Zeit ist ein funktionsfähiges Tool entstanden, das man tatsächlich benutzen kann — mit über 11.000 Zeilen Backend- und Frontend-Code, 555+ Backend-Tests und 200+ E2E-Tests.
Und ganz ehrlich — es hat Spaß gemacht. Die Geschwindigkeit, mit der Ideen zu Features werden, ist faszinierend. Ob das Ergebnis langfristig trägt, entscheidet am Ende die Community.
Was kommt als Nächstes?
Die nächsten Schritte auf der Roadmap drehen sich um Enterprise-Readiness:
Audit & Compliance — Audit-Log für alle schreibenden Aktionen, automatische Report-Retention und Verschlüsselung von Secrets in Environment-Variablen.
OAuth2 / SSO — Single Sign-On über Azure AD, Google oder GitHub für nahtlose Integration in bestehende Unternehmens-Infrastruktur.
Report-Export & Metriken — PDF-Reports für Management-Zusammenfassungen, Prometheus-Metriken für Monitoring.
Aber die eigentlich spannende Frage ist: Was fehlt euch? Was würde das Tool für euren Alltag nützlich machen? Wo hakt es? Was nervt?
Ausprobieren und Feedback geben
RoboScope ist Open Source und lässt sich auf mehreren Wegen starten:
Variante 1: Fertiges Release herunterladen (kein Git/Node nötig)
Auf der GitHub Releases-Seite gibt es ein fertiges ZIP-Archiv zum Download. Entpacken, Installationsskript ausführen, starten — fertig:
Windows: install-windows.bat ausführen, dann start-windows.bat
Mac/Linux: install-mac-and-linux.sh ausführen, dann start-mac-and-linux.sh
Das ist der einfachste Weg, um RoboScope ohne Entwicklungsumgebung auszuprobieren. Python muss installiert sein, alles andere bringt das Archiv mit.
Variante 2: Aus dem Quellcode
git clone https://github.com/viadee/roboscope
cd roboscope
make install && make dev
Variante 3: Mit Docker
docker compose -f docker-compose.dev.yml up
Danach einfach http://localhost:5173 (Entwicklung) bzw. http://localhost:8000 (Release/Docker) öffnen — ein Beispielprojekt mit Demo-Tests ist bereits dabei.
GitHub: github.com/viadee/roboscope
Webseite: roboscope.eu
Issues, Ideen und Pull Requests sind ausdrücklich willkommen. Und wenn ihr es ausprobiert habt: Schreibt mir gerne, was funktioniert und was nicht. Genau dafür ist es da.